Prof. Dr. Dr. Uwe Scheffler

 


 




Durch Art. 1 des Gesetzes zur Reform der Juristenausbildung vom 11. Juli 2002 (BGBl. I S. 2592) wurden in § 5 Abs. 3 Satz 1 des Deutschen Richtergesetzes, das Grundsätze für das Jura-Studium festschreibt, die sog. Schlüsselqualifikationen als Studienbestandteil eingefügt:

„Die Inhalte des Studiums berücksichtigen die rechtsprechende, verwaltende und rechtsberatende Praxis einschließlich der hierfür erforderlichen Schlüsselqualifikationen wie Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung, Rhetorik, Streitschlichtung, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit.“

Nun ist es – jedenfalls im Bereich des Strafrechts – damit nicht getan. Gerade Strafverteidigung – und das ist der strafrechtliche Beruf, mit dem es, statistisch gesehen, die große Mehrheit der Studenten, die nämlich Rechtsanwälte werden, später zu tun haben wird – ist viel komplexer angelegt.

Auch die noch so gute Paragraphenkenntnis reicht nicht weiter, als einem das bloße Pauken der Regeln des Schach- oder Skatspielens genügen würde, um gegen einen passionierten Freizeitspieler auch nur ansatzweise bestehen zu können. Selbst das Studium raffinierter Anleitungsbücher – von denen der Markt für die Strafverteidiger in den letzten Jahren, seit es die Zusatzqualifikation "Fachanwalt für Strafrecht" gibt, überschwemmt wird – hilft hier nicht viel weiter. Hinweise, dass man beim Schach frühzeitig rochieren sollte oder beim Skatspiel als Spieler tunlichst mit „Trumpf“ zu beginnen hat, sind viel zu statisch, um im „richtigen“ Turnier zum Erfolg verhelfen zu können. Solche Regeln sind in der Strafverteidigung beispielsweise die Faustregeln, wann denn der Angeklagte sich zur Sache äußern soll oder nicht. Die Vorschläge sind alle eigentlich hier wie dort richtig – können im konkreten Fall aber gerade verkehrt sein.

Aus alledem ergibt sich eigentlich, dass die „rechtsberatende Praxis“ Strafverteidigung nur sehr begrenzt am Grünen Tisch, also im Klassenraum, im Hörsaal oder in der Anwaltsakademie erlernt werden kann. Sie ist eigentlich nur erfahrbar. Erfahrbarkeit in der Praxis ("learning by doing“) auf Kosten des Mandanten wäre nun aber genauso fehlgeleitet, wie es wäre, das Autofahren sogleich im öffentlichen Straßenverkehr erlernen zu müssen. In beiden Fällen blieben Unfallopfer auf der Strecke.

Aufgrund dieses Erkenntnisses entstand bei mir die Idee, den Versuch zu unternehmen, Strafverteidigung zu lehren nach Art des Fahrschulunterrichts: Nach Vermittlung der „Theorie“ im Rahmen der Strafprozessrechtsvorlesung zu versuchen, die Verteidigung in möglichst der Realität der „rechtsberatenen Praxis“ nachgebildeten Bereichen unter Anleitung und Aufsicht vom Studenten selbst erfahren zu lassen.

Anknüpfend an die Studien- und Prüfungsordnung der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina vom 5. Mai 2005, die in § 27 Abs. 3 Schlüsselqualifikationen „anwaltliche Tätigkeit“ und „Moot-Court-Veranstaltungen“ nennen, hatte ich mich zunächst Letzterem genähert und zusammen mit meiner Mitarbeiterin Christin Toepler versucht, die aus dem angloamerikanischen Völkerrecht stammende Idee des Moot-Courts, die auf den ersten Blick so gar nicht zum deutschen Strafprozess zu passen scheint, so umzuwandeln, dass doch die Tätigkeit des Strafverteidigers, aber auch des Staatsanwaltes in der Hauptverhandlung nach der deutschen StPO praktisch erprobbar wird. Die Lehrmaterialien zu einem solchen Moot-Court sind als Band 1/1 (Scheffler/Toepler, Gesetzessammlung für einen authentischen Strafprozess vor dem Moot-Court) und als Band 1/2 (Toepler/Scheffler, Ermittlungsakte für einen authentischen Strafprozess vor dem Moot-Court) in der Reihe „Die etwas anderen Lehrmaterialien“ als „books on demand“ in 3. Auflage erschienen.

Band 2/1 dieser Schriftenreihe, die „Handakte zur Vermittlung der Schlüsselqualifikation Strafverteidigung“, beinhaltet eine authentische Strafakte, die, verknüpft mit Material der nicht weniger authentischen Handakte, es möglich macht, an einer Strafverteidigung vom ersten Augenblick des Ermittlungsverfahrens an gewissermaßen beobachtend teilzunehmen. Die Zuhilfenahme des dazugehörigen Erschließungsbandes 2/2 „Materialien zur Vermittlung der Schlüsselqualifikation Strafverteidigung“, erstellt mit meinen Mitarbeitern Dres. Kamila und Denis Matthies, erleichtert diesen Lernprozess und soll es möglichen, ihn zu vertiefen.

Band 3, das „Lesebuch zum Verkehrsordnungswidrigkeitenrecht“, geht neue Wege bei der Vermittlung einer doch eher drögen rechtlichen Materie. Aufgebaut auf einem wirklichen Fall, in dem ich selbst Betroffener war und Dr. Denis Matthies mich verteidigte, wird das gesamte Verkehrsordnungwidrigkeitenrecht in Form eines (Lese-)Dramas in (oftmals fiktiven) Gesprächen mit unserem „neugierigen“ Studentischen Mitarbeiter Ulrich Lehmann über den ganzen realen Ablauf dieses nicht ganz gewöhnlich verlaufenden OWi-Verfahrens hinweg aus Verteidigerperspektive besprochen. Eingefügte Teile von Akte und Handakte, Auszüge aus wichtigen Gerichtsentscheidungen und Rechtsvorschriften ermöglichen eine vertiefte Durchdringung des ansonsten eher unterhaltsam präsentieren Stoffes.

Wir wollen dabei bleiben, die Bände der Schriftenreihe „Die etwas anderen Lehrmaterialien“ zum Selbstkostenpreis (den aktuellen Preis bitten wir zu erfragen) abzugeben. (Band 3 ist leider nicht mehr erhältlich.)

Für Bestellungen und Preisanfragen, aber auch für Kritik, Verbesserungsvorschläge usw. sind wir erreichbar unter der Email-Adresse des Lehrstuhls: scheffler@europa-uni.de