Prof. Dr. Dr. Uwe Scheffler

 



Honoré Daumier (1808–1879): Le Défenseur (um 1860/63). Paris, Musée d'Orsay








Als junger Jurist und Rechtsanwalt lernte ich von 1985 bis 1988 das Einmaleins der Strafverteidigung vor allem als Mitarbeiter des renommierten, leider inzwischen verstorbenen Berliner Strafverteidigers Gerhard Jungfer kennen, der mich auch in die Geheimnisse besonderer Strafprozessrechtsgebiete wie das Revisions-, das Wiederaufnahme- und das Gerichtsbesetzungsrecht einführte.

In meiner anschließenden Tätigkeit als Strafrechtswissenschaftler zunächst in Berlin, dann in Bochum und Frankfurt am Main und schließlich seit 1993 als Professor in Frankfurt (Oder) ist es mir immer ein Hauptanliegen gewesen, die Praxis der Strafverteidigung mit der Theorie der Kriminalwissenschaften, namentlich des Strafprozessrechts zu verzahnen. Das von mir bearbeitete, umfangreiche Kapitel über die Hauptverhandlung in „Heghmanns/Scheffler: Handbuch des Strafverfahrens“ mag davon beredtes Zeugnis ablegen.

Umgekehrt versuche ich, in meinen Lehrveranstaltungen schon jungen Studenten das Recht der Strafverteidigung vertieft und vor allem möglichst praxisnah nahezubringen, wie die „etwas anderen Lernbücher“, großenteils aus aufbereitetem Strafaktenauszügen bestehend, belegen.

§ 138 Abs. 1 Alt. 2 StPO erlaubt es dem Rechtslehrer an deutschen Hochschulen, sich wie ein Rechtsanwalt als Strafverteidiger zu betätigen, wozu es nur einer Nebentätigkeitsgenehmigung bedarf. Ich habe von dieser Möglichkeit häufig, um nicht nur theoretisch als Professor, sondern auch praktisch mit der Strafverteidigung verbunden zu bleiben, Gebrauch gemacht.

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RA’in Dr. Kamila Matthies und RA Dr. Denis Matthies kenne ich seit den späten 1990er Jahren. Schon als Studenten waren sie als Hilfskraft an meinem Lehrstuhl beschäftigt bzw. wurden von mir bei der Anfertigung von Seminar- sowie Magisterarbeiten betreut.

Frau Matthies war sodann damals, als sie zunächst ihr polnisches Juradiplom abgelegt hatte, die erste polnische Wissenschaftliche Mitarbeiterin überhaupt an einem juristischen Lehrstuhl an unserer Universität.
Später kam dann frisch deutsch examiniert Herr Matthies dazu, der dann teilweise die Arbeit von Frau Matthies übernahm, die kürzertreten musste, um „nebenbei“ noch beide deutsche Staatsexamen zusätzlich abzulegen. Beide promovierten bei mir mit strafrechtlichen Doktorarbeiten und begannen, eine inzwischen florierende Strafverteidigerkanzlei aufzubauen.

Inzwischen sind beide nicht mehr Assistenten, sondern wir sind längst ein wissenschaftliches Team. Ich habe zusammen mit beiden zahlreiche Aufsätze geschrieben, mit Frau Matthies vor allem zum polnischen Strafrecht, dessen Kenntnisse ich ihr weitgehend verdanke. Herr Matthies hat sogar ein gesamtes Kapitel zu einem von mir mitherausgegebenen Handbuch eigenständig verfasst. In den letzten Jahren haben wir gemeinsam ein Lernbuch zur Strafverteidigung erstellt und einige Vorschriften des Strafgesetzbuchs in der ersten und zweiten Auflage des AnwaltKommentars (AK-StGB) kommentiert. Die dritte Auflage soll folgen.

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Um einerseits meine Verteidigungen effizienter zu machen, andererseits aber auch die Zusammenarbeit mit Frau und Herrn Dr. Matthies transparenter – für einen guten Rat stand ich schon immer bereit –, aber auch enger zu gestalten, hatten wir vereinbart, dass wir ab dem 1. Januar 2009 auch offiziell im Bereich von Strafverteidigungen zusammenarbeiten. Inzwischen konzentriere ich mich aber wieder mehr und mehr auf meine Lehrstuhltätigkeit und besonders um mein Projekt „Kunst und Strafrecht".