Prof. Dr. Dr. Uwe Scheffler

 


 

Einer der bedeutendsten Wissenschaftler, die in den gut 300 Jahren, die die alte Viadrina be- standen hat (15061811), an ihr lehrte, dürfte der Jurist Johann Jakob Moser (17011785) gewesen sein, der hier von 1736 bis 1739 eine Professur innehatte. Bis heute wird Moser als der ‚Vater des Völkerrechts’ oder der ‚bedeutendste Staatsrechtler seiner Zeit’ gelobt und als der ‚schreibseligste Gelehrte der Welt’ bewundert. Auf 500 bis 600 Bücher wird sein Lebenswerk geschätzt. ‚Allein die Titel der von ihm verfaßten Bücher füllen ein mäßiges Buch.’ Mosers Hauptwerk, das ‚Teutsche Staatsrecht’, umfaßt mal eben 77 Bände. Schon Zeitgenossen haben kritiiert, es würde sich regelmäßig um Sammlungen von Auszügen aus anderen wissenschaftlichen Werken handeln. Mosers Schriften fehle es an ‚wissenschaftlich abgerundeter Form und an Tiefe der Auffassung und Behandlung’.

Johann Samuel Friedrich von Böhmer (17041772) gilt als der ‚Höhepunkt der deutschen Strafrechts-wissenschaft’ bis zum Jahre 1800, als der ‚her- vorragendste deutsche Kriminalist’ seit dem 1626 verstorbenen Benedict Carpzov. Er lehrte von 1750 bis zu seinem Tode 1772 an der alten Viadrina ... Von ihm sind praktisch nur drei Werke bekannt – aber was für welche! Das erste, 1732 fertiggestellte Werk gilt als das ‚erste Lehrbuch des Strafrechts von wissenschaftlicher Qualität’ und erlebte in kurzer Zeit fünf weitere Auflagen. Sein zweites Werk stellt die erste große kritische Auseinandersetzung mit dem Hauptwerk Carpzovs dar. Kurz vor seinem Tod schrieb Böhmer einen Kommentar zur Peinlichen Gerichtsordnung Kaiser Karl V. von 1532, der als ‚die erschöpfendste, gründlichste und wissenschaftlich wertvollste Erläuterung’ dieses Gesetzes gilt'.

Uwe Scheffler: Die Viadrina-Professoren Johann Jakob Moser (17011785) und Johann Samuel Friedrich von Böhmer (17041772) – gleichberühmt, aber grundverschieden.
In: Förderverein zur Erforschung der Geschichte der Viadrina e.V., Jahresbericht Nr. 2/1999, S. 6 ff.



 

Seit 1993 lehrt an der neuen Viadrina Uwe Scheffler, der als einer der größten lebenden deutschen Rechtswissenschaftler gilt (1,98 m). Er hat zwar nicht annähernd so viel geschrieben wie Moser, dafür aber wohl ein wenig mehr als Böhmer. Und auch wenn er nicht erwarten kann, dass seine Schriften wie die Böhmers viele Jahre später noch anderen Professoren als Grundlage für ihre Vorlesungen dienen, so hofft er doch ein wenig, dass sie nicht wie Mosers Werke weitgehend völlig ungelesen bleiben ...


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